Ist Elektrotechnik etwas für Kinder?

Wie jeder Schüler stand auch ich eines Tages vor der spannenden Frage: „Was machst du nach dem Abitur?“
Heute bin ich Staatlich anerkannter Erzieher, doch meine Interessen wollte ich auch niemals verbergen und ein winziger Blick in mein Profil zeigt schnell wo diese liegen: Technik!
Wenn ich euch jetzt aber sage, was ich ursprünglich studieren wollte, dürfte die Reaktion ähnlich ausfallen, wie bei den meisten: Was?!?
Mein erster Wunsch war ein Elektrotechnik/Automatisierungstechnik Studium  … wie es dazu kam? Ein kleiner Ausflug in meinen technischen Werdegang.

Geboren bin ich 1985, einem Jahrzehnt, in dem nicht jedes zweijährige Kind schon ein Tablet bedienen kann und nichts mit Tastaturen anfangen kann, dafür aber aus jedem Bildschirm einen Touchscreen machen will. Gut so! Unseren ersten PC bekamen wir irgendwann im, oder um das Jahr 1993. Klassischer Big-Tower, i486 CPU, volle 8MB RAM (8x1MB), extra Soundkarte, Magnetband-Laufwerk für Backups, 5.25″ Floppy, 40MB HDD, kurz gesagt: ein Traum. Die dazugehörige Peripherie in Form eines 19″ Bildschirms und eines Laserdruckers leisteten uns noch 10 Jahre später ausgezeichnete Dienste. Diese Art Rechner waren nicht vom Typ „PC an und los geht’s“, hier war oft Handarbeit gefragt. Spiele hatten auch damals schon die Angewohnheit das letzte aus der Hardware raus zu holen. RAM war nicht im Überfluss vorhanden und Spiele wie „Privateer“ brauchten ein wenig Starthilfe um zu funktionieren. Batch-Dateien mussten programmiert werden um auch ja noch 2kb Speicher frei zu bekommen (Anm.: Na wem sagt HIMEM.SYS noch etwas?)
Nein, ich habe das damals noch nicht programmiert, aber meinem Vater oft über die Schultern gesehen. Das Gehäuse war auch weit häufiger offen als es heute üblich ist und so war der Anblick der PC-Innereien für mich etwas ganz normales, ich durfte sogar beim Einbau unseres CD-Laufwerkes helfen (Anm.: Cool!)

Lasst uns ein paar Jahre springen, ab zu den Jahreszahlen mit einer 2 am Anfang: 2000
Jugendweihe, ein ganz wichtiger Tag für Heranwachsende. Hier erfüllte ich mir einen großen Wunsch (Anm.: Danke an meine Großeltern, für die finanzielle Möglichkeit!): ich kaufte mir das „Lego Mindstorms: Robotics Invention System“. Noch Jahre später entwickelte ich theoretische und praktische Roboter, deren Umsetzung leider viel zu oft an mangelnder Hardware scheiterte.

Technik ist mittlerweile für Kinder zu einem selbstverständlichen Begleiter geworden. Schon in jüngsten Jahren kommen sie in Kontakt mit Handys, Tablets, Fernsehern und sogar elektronischen Spielsachen, die teilweise multimedialen Alleskönnern gleichen. Ist diese Selbstverständlichkeit etwas Gutes? Diese Frage möchte ich gar nicht diskutieren, doch sehe ich im Kontakt mit Technik eine sehr elementare Frage: Können Kinder mit der Technik überhaupt etwas anfangen?
Ab wann ist der Kontakt mit dem Gebiet der Elektrotechnik sinnvoll? Reicht der Physikunterricht ab der sechsten Klasse aus, oder ist der Lehrplan viel zu abstrakt und stellt nur mangelhafte Verbindungen zu Lebenswelt der Kinder her? Überfordern wir Kinder, wenn wir versuchen ihnen das Wesen der Technik zu zeigen und ihnen auf spielerische aber praktische Weise die Welt der Elektrotechnik zu erklären?

Ich stelle mich dieser Herausforderung, wenn auch auf ungewöhnliche Art und Weise und von einer Seite, die wahrscheinlich in den Augen vieler noch weniger verständlich ist als der pure Blick auf die Technik selbst, der Robotik.
Bei aller Leistung, die Computer und Maschinen heute zu erfüllen im Stande sind, braucht es doch eines um sie mit Leben zu erfüllen: Kreativität, Erfindergeist, Ehrgeiz und eine große Portion Spaß am Experimentieren. Also Dinge, die in Kindern in ungeheurer Menge vorhanden sind. In 11 Monaten, so unser Ziel, möchten wir mit einer Vorschulgruppe sechsjähriger Kinder einer Kindertageseinrichtung in Dresden ein Roboterauto konstruieren und programmieren, das alleine ein Labyrinth durchfahren kann und in der Lage ist in einem Raum zu navigieren.
Dieses Projekt wird von uns pädagogisch aufbereitet und alle Inhalte und Methoden auf unserer Homepage veröffentlicht.