mehrsprachige Erziehung - Titelbild mit Weltkarte und Sprachen

So gelingt die mehrsprachige Erziehung – Teil 1

Die Welt wächst zusammen, die Grenzen zwischen den Ländern fallen. Die Globalisierung hat auch die abgelegenste Ecke der Welt durchdrungen. Umso wichtiger werden sprachlichen Kenntnisse, vor allem aber die fremdsprachlichen Kenntnisse. Nicht nur in der Schule werden Sprachen in Unterrichtseinheiten vermittelt, auch Apps zum Fremdsprachenerwerb schießen wie Pilze aus dem Boden. Ein Grund mehr einen Blick auf die sprachliche Entwicklung von Kindern zu werfen und wie der Mensch mehrere Sprachen erwerben kann.

Dabei stellen sich folgende Fragen:

-> Wie sieht der Fremdsprachenerwerb im Kita-Bereich und im schulischem Bereich aus?

-> Ist das Lernen einer Fremdsprache in Unterrichtseinheiten sinnvoll?

-> Wie sieht eine effiziente Methode zum Fremdsprachenerwerb aus?

-> Warum sollten Kinder in der Kita schon mit einer weiteren Sprache in Kontakt kommen?

-> Wie könnte ein möglicher Fremdsprachenerwerb im System “Kita” aussehen?

Wie lernen wir sprechen?

Bevor wir klären wie ein optimaler Fremdsprachenerwerb gelingen kann, sollten wir uns den Vorgang anschauen, wie kleine Kinder eine Sprache erlernen. Kinder bauen von Anfang an ein mentales Lexikon auf. Die aktive Produktion der Wörter jedoch ist anfangs noch sehr eingeschränkt. Die sogenannte Lallphase. Im Laufe der Jahre wächst der Wortschatz der Kinder jedoch rasant an. Täglich kommen neue Worte hinzu. Bis zum Ende des 6. Lebensjahres besitzen die Kinder einen aktiven Wortschatz von 3.000 bis 5.000 Wörtern und einen passiven Wortschatz von bis zu 14.000 Wörtern. Der Erwerb des grammatischen Systems geschieht in Entwicklungsschritten. Am Anfang stehen Einwortäußerungen, ab einem aktiven Wortschatz von ungefähr 50 Wörtern kommt es zu Wortkombinationen. Ab dem 24. Lebensmonat kommen Mehrwortäußerungen hinzu. Jedoch ist das Verb meist noch falsch flektiert. Auch Präpositionen, Artikel und Hilfsverben werden noch falsch gesetzt.

Was ist das Besondere an der Sprachentwicklung bei mehrsprachigen Kindern?

mehrsprachige Erziehung - Kinder sagen "Danke" in verschiedenen Sprachen

Meist wird behauptet, Kinder lernen eine neue Sprache schneller und erfolgreicher. Dies konnte in Nachforschungen jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Allerdings stellt die phonologische (lautliche) Entwicklung eine Ausnahme dar. Genauso wie die Imitationsfähigkeit der Kinder. Durch die Nähe zum Erstspracherwerbs kann das Kind auf verschiedene Spracherwerbsmechanismen zurückgegriffen werden. Dennoch ist der Spracherwerb von spezifischen Bedingungen abhängig. Daher ist es beinahe unmöglich, dass ein Kind beide Sprachen auf gleichem Niveau erlernt. Das Kind entwickelt dadurch eine starke und eine schwache Sprache.

Der Entwicklungsverlauf wird dabei in 3 Stufen unterteilt:

  1. Entwicklungsstufe (bis zu Alter von 3 Jahren)
  • geringer Wortschatz
  • Betrachtung beider Sprachen als ein Sprachsystem
  • Kind neigt zu Mischsprache aus den verschiedenen Fremdsprachen,  wovor sich Eltern sehr fürchten
  • Kind ist noch nicht in der Lage, einen Gegenstand in beiden Sprachen zu benennen
  • reagiert auf Begriffe aus beiden Sprachen, auch wenn nur in einer Sprache geantwortet wird

2.  Entwicklungsstufe (ab etwa 2 Jahren)

  • allmähliche Differenzierung der Sprachen
  • nach und nach gelingt es dem Kind den gewünschten Begriff in der richtigen Sprache zu benennen
  • Wortschatz ist soweit ausgeprägt, dass das Kind gleichbedeutende Begriffe in beiden Sprachen benennen kann
  • Schwierigkeiten mit der Grammatik sind noch stark ausgeprägt, unter anderem:
    • Vermischung der Grammatik beider Sprachen
    • Übernahme der Grammatik von einer Sprache in die andere

3.  Entwicklungsstufe (ab etwa 3 Jahren)

  • Kinder lernen, zwischen beiden Sprachen zu unterscheiden und zu trennen
  • erkennen Eigenständigkeit der Sprachen
  • Kinder entwickeln Bewusstsein, dass sie zwei Sprachen beherrschen und verwenden die der Situation angemessene Sprache

Tipps für die zweisprachige Erziehung

  • Geduld haben, auch wenn das Kind die Sprachen anfangs vermischt
  • nicht ständig korrigieren, das übt Druck auf das Kind aus und das spielerische Erlernen der Sprache geht verloren
  • für Kinder ist der Inhalt des Gesagten wichtiger als die korrekte Formulierung, also lieber auf den Inhalt eingehen
  • konsequente personale Trennung
    • ein Elternteil, eine Sprache -> keine Vermischung
  • deutliche Aussprache und korrekte Anwendung der Sprache (Eltern/ Pädagogen sind das sprachliche Vorbild der Kinder)

Aber ist es eigentlich wichtig, in der gesprochenen Fremdsprache ein Muttersprachler zu sein?

Die Frage kann nicht eindeutig beantwortet werden. Daher ein “Ja” und ein “Nein” – Natürlich ist es möglich, dem Kind eine Sprache beizubringen, in welcher man selbst nicht Muttersprachler ist. Wir kennen das meistens selbst noch aus dem Englisch- oder Französischunterricht in der Schule. Die wenigstens Schüler haben einen Muttersprachler als Lehrkraft. Dennoch möchte ich hier ein großes “ABER” einbringen. Und der Grund sollte nachvollziehbar sein. Jedes Elternteil und jeder Pädagoge ist auch ein sprachliches Vorbild, wie vorhin schon erwähnt.  Daher sollte sich jeder fragen, wie gut spreche ich die Fremdsprache? Denn das Kind wird die Wörter, Grammatik und die Aussprache übernehmen, inklusive aller möglichen Fehler die das Sprachvorbild begeht. Und einmal falsch gelernt ist es schwer wieder umzulernen. Vor allem in späteren Jahren. Daher sollte bevor die Idee einer zweisprachigen Erziehung umgesetzt wird darüber nachgedacht werden, wie sicher man selbst in der Fremdsprache ist.

Mit diesen Grundlagen möchte ich den ersten Teil des Themas zur zweisprachigen Erziehung abschließen. Im nächsten Teil bespreche ich die anfangs gestellten Fragen und würde mich freuen, Sie wieder begrüßen zu dürfen.

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